Zum Begriff „VORBILD“

Die Psychologie bezeichnet ein Vorbild als Person, an der sich andere Menschen orientieren. In diesem Kontext übernehmen sie zum Teil deren Denk- und Verhaltensweisen. Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche. Oft identifizieren sie sich mit diesen Personen oder bewundern diese. Die ersten Vorbilder von Heranwachsenden sind ihre Eltern und Geschwister. Im Laufe der juvenilen Entwicklung ändert sich das zunehmend. Andere Faktoren und andere Personen gewinnen mehr und mehr an Einfluss. Vor allem in der Pubertät suchen sich Jugendliche andere Vorbilder als die Eltern und die älteren Geschwister. Nun werden Personen/Persönlichkeiten beispielsweise aus dem Sportler oder dem Showbizz bevorzugt. Die Jugendlichen versuchen häufig deren Erscheinungsbild, deren Verhaltensweisen und Ansichten nachzuahmen. Dieser Prozess dient vor allem der Selbstfindung. Vor allem junge Menschen versuchen ihre Schwächen und ihr eventuell fehlendes Selbstbewusstsein durch die Nachahmung von Vorbildern zu kompensieren.
 
„Vorbild ist eine Person oder Sache, die als richtungsweisendes und idealisiertes Muster oder Beispiel angesehen wird. Im engeren Sinne ist Vorbild eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht. Während umgangssprachlich unter „Vorbildern“ meist Personen verstanden werden, die dem Betreffenden oftmals überhaupt nicht nahestehen, aber bewusst als Modell gewählt werden, weil sie bei ihm hohes Ansehen genießen, beschäftigen Soziologen und Psychologen sich eher mit Rollenmodellen im unmittelbaren sozialen Umfeld (Eltern, Peergroup), deren Verhalten unbewusst nachgeahmt wird.“ (Quelle: www.wikipedia.de)
 
Bei allem Streben nach Konsum, Karriere und privatem Glück – Kinder und Jugendliche orientieren sich (wieder) an Vorbildern! "Das war eine sehr große Überraschung für uns. In den vergangenen Generationen waren Vorbilder megaout", sagt der Siegener Erziehungswissenschaftler Prof. Jürgen Zinnecker, Leiter der Jugendstudie "Null Zoff & voll busy".

„Ich will kein Vorbild sein“ nannte einst Paul Breitner seine Biografie. Als Buchtitel durchaus legitim, mit der Realität hat es jedoch nichts zu tun. Denn Sportler, zumal prominente, sind Vorbilder, ob sie es wollen oder nicht. Das Schicksal, Vorbild zu sein, teilen Sportstars auch mit nicht so bekannten Sportlern, die nur auf regionaler oder lokaler Ebene zu Ruhm und Ehren kommen und weiteren Aktiven im Umfeld des Sport(verein)s:
Auch Trainer, Jugend- und Übungsleiter können - zumindest bei jüngeren Vereinsmitgliedern - zum Vorbild werden. So genanntes „Lernen am Modell“ geschieht überwiegend über Nachahmung und „Identifikation des Beobachters mit dem durch eine andere Person vorgeführten Verhalten“ (vgl. HURRELMANN 1995).

Im Sportverein treffen viele Kinder und Jugendliche auf viele Vorbilder. Fast 50 Prozent (!) aller Kinder und Jugendlichen (bis 18 Jahre) sind im Laufe ihrer Kindheit und Jugend einmal Mitglied in einem Sportverein. Der Sportverein ist damit mit großem Abstand die Nummer 1 unter den Jugendorganisationen. Außer der Schule findet man weit und breit keine andere Institution, wo sich mehr Heranwachsende treffen.
 

Zielgruppe

Mit VORBILD SEIN! wendet sich die WSJ an all die Menschen in Sportvereinen in Baden-Württemberg, die Kinder und Jugendliche betreuen, sie trainieren oder in sonstiger Art und Weise unterstützen und mit ihnen arbeiten.
Diese sind:
  • Übungsleiter und Trainer,
  • Jugendleiter, -sprecher und -warte sowie
  • alle anderen Mitarbeiter und Helfer im Kinder- und Jugendbereich (Betreuer, Zeugwarte, Fahrer usw.)
Die Kampagne VORBILD SEIN! will all diese Personen darauf aufmerksam machen bzw. daran erinnern, dass sie für ihre Schützlinge zum Vorbild werden können - ob sie es wollen oder nicht. Die WSJ will der Zielgruppe (z.B. über Seminare) dabei helfen, ein gutes für Kinder und Jugendliche zu sein.

Die WSJ will aber vor allem auch eines, nämlich deutlich machen:
 
Vorbild zu sein, ist gar nicht so schwer!

Bei VORBILD SEIN! stehen aber auch die Kinder und Jugendlichen, die in den Sportvereinen aktiv sind, im Fokus. Denn sie sollen vom vorbildlichen Verhalten ihrer Trainer und Übungsleiter, Jugendleiter und anderer Betreuer profitieren.
 

Ziele

VORBILD SEIN! will alle Menschen, die im Sportverein in irgendeiner Form mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, darauf aufmerksam machen, dass sie genau für diese zum Vorbild werden können. Ob sie es wollen oder nicht. Die WSJ versucht der Vielzahl an Trainern, Betreuern, Helfern, Übungs- und Jugendleitern etc. die Wichtigkeit dieser Vorbildfunktion bewusst zu machen.
 
Die vielfältigen Ziele der Kampagne sind: 
Würdigung
Das freiwillige, ehrenamtliche und unentgeltliche Engagement der Mitarbeiter im Kinder- und Jugendsport zu würdigen, ist ein wichtiges und zentrales Anliegen im Rahmen der Kampagne VORBILD SEIN!. Denn diese Mitarbeiter sind Vorbilder! Im Gegensatz zu den vielen Stars und Idolen aus der Musikbranche und der Sportwelt sind sie jedoch "real" und so für die Kinder und Jugendlichen greifbar. Die sogenannten "stillen Stars" sind also Vorbilder der "Nahwelt".
Um die Leistungen, den Ehrgeiz und den enormen Einsatz dieser Schaffer im Sportverein anzuerkennen, gibt es bei VORBILD SEIN! den Wettbewerb "VORBILDER des Jahres", der im Jahr 2005 ins Leben gerufen wurde.
 
Sensibilisierung und Schulung
Ein weiteres Ziel ist es, die "stillen Stars" auf ihre Vorbildrolle hinzuweisen und Ihnen die möglichen Auswirkungen ihres Verhaltens auf das Werteverständnis und das Sozialverhalten und damit auf den Charakter der jungen Sportler bewusst zu machen (Sensibillisierung). Denn sie können zum Vorbild werden - ob sie wollen oder nicht. Falls es für die Mitarbeiter im Kinder- und Jugendsport erforderlich sein sollte, können sie auf diese Rolle entsprechend vorbereitet werden (Schulung). Dies geschieht vor allem durch die Angebote im Bildungsbereich der WSJ oder auch mit Hilfe des VORBILD SEIN!-Selbstchecks.

Verhaltensanpassung
Wie bereits angesprochen, müssen sich die „stillen Stars“ ihrer Wirkung bei Kinder und Jugendlichen bewusst sein. VORBILD SEIN! will nicht nur zum Nachdenken (Reflexion) anregen, sondern diesem selbstkritischen Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen und der damit verbundenen Auswirkungen auf andere Personen, soll eine Handlung (Aktion) folgen. In diesem Zusammenhang sollen natürlich die Kinder und Jugendlichen vom vorbildlichen Verhalten der Vereinsjugendmitarbeiter profitieren.

Definition von vorbildlichem Verhalten
Bevor man einen Menschen überhaupt dazu motivieren kann sein Verhalten gegebenenfalls zu ändern bzw. anzupassen, um tatsächlich ein positives Vorbild für Kinder und Jugendliche sein zu können, muss man sich darüber einig sein, was man eigentlich unter vorbildlichem Verhalten versteht.

Festlegung der Zumutbarkeit
Im Anschluss an die Festlegung der Ausprägung von vorbildlichem Verhalten, ist es verständlicherweise ebenso wichtig, bezüglich der Zumutbarkeit in puncto vorbildlichem Verhalten mit der Zielgruppe (s.o.) übereinzukommen. Dabei decken sich die Meinungen mit Blick auf das vorbildliche Verhalten und auf die Zumutbarkeit für die Zielgruppe im Idealfall zu 100%. Sollte dies nicht möglich sein, muss ein möglichst breiter Konsens angestrebt werden.

Grundsätzlich gilt: Damit die Kampagne VORBILD SEIN! überhaupt die Möglichkeit hat ihre Ziele zu erreichen, bedarf es kompetenter und unterstützender Partner – in erster Linie aus dem Sport, aber auch aus anderen gesellschaftlichen Bereichen (siehe Partner/Förderer).
 

Weitere Ziele und Ansprüche der Kampagne

VORBILD SEIN!...
  • muss einen erkennbaren Nutzen haben,
  • muss Spaß machen,
  • muss ohne erhobenen Zeigefinger auskommen,
  • soll weder moralisieren noch missionieren,
  • will einen Weg aufzeigen und Angebote machen!